Freitag, 11. Mai 2012

Goethe und die Anatomie

         Justus Loder gab:
         fürtreffliche Krebse, von denen ich Ihnen einen Teller zugewünscht habe,
         köstliche Weine,
         einen zu amputirenden Fuß,
         einen Nasenpolypen,
         einige anatomische und chirurgische Aufsätze,
         verschiedene Anekdoten,
         ein Mikroskop und Zeitungen.

         (Goethe an Schiller)

Donnerstag, 26. April 2012

Goethe und die poetische Wissenschaft

Was in die Erscheinung tritt, muß sich trennen, um nur zu erscheinen. Das Getrennte sucht sich wieder, und es kann sich wieder finden und vereinigen; im niedern Sinne, indem es sich nur mit seinem Entgegengestellten vermischt, mit demselben zusammentritt, wobei die Erscheinung Null oder wenigstens gleichgültig wird. Die Vereinigung kann aber auch im höhern Sinne geschehen, indem das Getrennte sich zuerst steigert und durch die Verbindung der gesteigerten Seiten ein Drittes, Neues, Höheres, Unerwartetes hervorbringt.

Dienstag, 10. April 2012

Goethe und der Homunculus

Es leuchtet! seht! - Nun lässt sich wirklich hoffen, // Daß, wenn wir aus viel hundert Stoffen // Durch Mischung - denn auf Mischung kommt es an - // Den Menschenstoff gemächlich komponieren, // In einen Kolben verlutieren // Und ihn gehörig kohobieren, // So ist das Werk im Stillen abgetan.

Samstag, 31. März 2012

Goethe und der andere Deutsche


          Was hilft dem Menschengeist Verstand,
          Dem Herzen Güte, Willigkeit der Hand,
          Wenn's fieberhaft durchaus im Staate wütet
          Und Übel sich in Übeln überbrütet?
          Wer schaut hinab von diesem hohen Raum
          Ins weite Reich, ihm scheint's ein schwerer Traum,
          Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet,
          Das Ungesetz gesetzlich überwaltet
          Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet.
             (Faust II)

Freitag, 30. März 2012

Goethe und die Farbenlehre

Wenn Taucher sich unter dem Meere befinden und das Sonnenlicht in ihre Glocke scheint, so ist alles Beleuchtete, was sie umgibt, purpurfarbig (wovon künftig die Ursache anzugeben ist); die Schatten dagegen sehen grün aus. Eben dasselbe Phänomen, was ich auf einem hohen Berge gewahr wurde, bemerken sie in der Tiefe des Meers, und so ist die Natur mit sich selbst durchaus übereinstimmend.

Goethe und die Farbenlehre

Der Raum, den wir uns leer denken, hätte durchaus für uns die Eigenschaft der Durchsichtigkeit. Wenn sich nun derselbe dergestalt füllt, dass unser Auge die Ausfüllung nicht gewahr wird, so entsteht ein materielles, mehr oder weniger körperliches, durchsichtiges Mittel, das luft- und gasartig, flüssig oder auch fest sein kann.

Freitag, 16. März 2012

Goethe und das Urphänomen

Grundeigenschaft der lebendigen Eigenschaft: sich zu trennen, sich zu vereinen, im Besonderen verharren, sich zu verwandeln, hervorzutreten und zu verschwinden, zu solidizieren und zu schmelzen, zu erstarren und zu fließen, sich auszudehnen und sich zusammenzuziehen.